Hätte ich mehr Platz,
würde ich mir einen Ich-Raum gönnen. Nur Selbstbildnisse an den Wänden. Verschiedenste Grimassen spiegeln meine vielfältigen Stimmungen und machen das Erkennen leichter.
Ich würde hineingehen, mich umsehen und wissen können: Ich habe mich also schon einmal so gefühlt.

AHA.

Ich sehe also auf die nächste Wand und weiß gleich: Auch das geht vorbei.

(Wer mir jetzt noch die plötzliche Umstellung meinerseits von Kleinschreibung auf Groß – und Kleinschreibung erklären kann, der bekommt eine Hobbypsychologenurkunde.)

die zeit der derben witze, die zeit der jungen frauen.
die zeit aufzumucken ohne unterzugehen, oder auch nur einen gedanken an einen untergang zu verschwenden.
die zeit der trockenpflaumen, die zeit der blähungen.
die zeit von lustigen gruppenchoreographien, die wachrütteln sollen, direkt und fröhlich befreien aus der monotie des alltäglichen, der zeit der arbeit.
die zeit, die ich mir genommen habe, darüber nachzudenken, dass ich über 30 nicht mehr schwanger werden will. diese zeit.
die zeit der braunen haut, die zeit der austrocknung.
diese zeit, die wenig mit selbstdisziplin zu tun hat. (hatte die jemals bedeutung oder bestand in meinen langen tagen? eher noch in den kurzen, vollgeräumten.)
diese zeit, in der m.ädchen das erste mal eine halbhohe/halbniedrige alm erklimmt. und kein bergfex sein will – nie und nimmer. ein luchs vielleicht.
die zeit, in der ich mir montags und donnerstags die zukunft von beloved miranda july vorhersagen lasse. (wo ist sarah?)
die zeit der täglichen rasur, des tägliche baderituals, des nägelfeilens.
die zeit der psychohygiene (aber ist es nicht so?: wenn man sich zu sehr hygienisiert ist man anfälliger für diverse infektionen, besonders wenn man sich nur auskotzt.)
die zeit in der ich stolz sein kann.

die zeit der erkenntnis:
wenn ich einmal um 5 uhr früh aufstehe, gibt es abends was zu bloggen.

die eine
ist schon lange in berlin, die andere ist in istanbul für ein jahr, die nächste geht verhältnissmäßig weit weg aus der stadt. die letzte habe ich verloren und keine lust mehr, sie wieder zu finden.

ich glaube, ich fühle mich gerade ein bisschen allein.

und ein bisschen so, als käme ich nicht vom fleck.
nicht vom fleck. nicht vom fleck. nicht vom fleck.

das ist in ordnung, denn ich weiß es besser.
meine zeit kommt und in mir lebt diese starke positive ader, die an meine schädeldecke pocht und mir das wort inspiration entgegensingt.

immer müde.
ich habe letzte woche meine erste (und hoffentlich bislang letzte) 38,5 arbeitsstundenwoche seit mutterschutz hinter mich gebracht und somit mein teamworkkarma aufgefrischt.
immer müde.
der föhn macht mir kopfzerbrechen, kopfzerzausen und kopfverlieren und ein bisschen aggressiv werde ich noch dazu.
immer müde.

“voll karotte”,
meint der herr freund als er meine neu erworbenen lachskorralefarbenen stoffhosen beäugt (ein bisschen mit kritischem ekel in der stimme).

– “aber die sind ja jetzt in mode”, fügt er mit triumphierendem blitzen in den augen hinzu.

die nachtlebenarbeit macht dem herrn freund, dem fashion victim, die mode bewusst.

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